Lynx alike Cellani Abessinier

 „Ohrpinsel wie ein Luchs"

 

In aller Munde sind sie derzeit wieder, sie, die im Idealfall die Ohren unserer abessinischen Lieblinge zieren: jene verlängerten Härchen an den Spitzen nämlich!

Glücklich der, der bei seinen neu geborenen Katzenwinzlingen fündig wird; da zählen schon Bruchteile von Millimetern!

Schwankend zwischen banger Sorge und vager Hoffnung zugleich, prüft des Züchters Auge täglich den Zustand der – schätzungsweise – da 7, dort 9 georteten Härchen. Ob sie, gleich unverwüstlichem Fels in der Brandung, noch da! Oder ob sie sich, während zeitgleich der kätzische Säugling unaufhaltsam dem Kleinkatzalter zuschreitet, gleichsam ebenfalls unaufhaltsam und quasi einzeln davon zu machen scheinen! Da kann die allmorgendliche Stunde der Wahrheit regelrecht zur Passion werden. Denn Fakt ist, schon unzählig oft wurden sie in Miniformat gesichtet, um sich dann doch alsbald in Wohlgefallen aufgelöst zu haben. 

Faustregel 1 lautet also: Je länger und dichter, umso größer die Chance auf Besitzstandswahrung!

Faustregel 2 dem gemäß: „Wo nix ist, da kommt auch nix!“

Doch einmal ins kätzische Pubertistenalter gerettet, kann „züchter“ sich endlich entspannt zurücklehnen und .. –„Puh!“ – ausatmen. Geschafft! Sie bleiben!

Die eigentliche Stunde der Wahrheit schlägt aber bekanntlich nicht am heimischen Herd, sondern wenn das solchermaßen ausgestattete Katzentier die Showhalle betritt. Wie wird die Jury und der Rest der geneigten (oder gar eifersüchtigen?) Züchterrunde die Sache sehen? WIRD sie sie überhaupt sehen? Oder sind sie so winzig, dass des Züchters ganzer Stolz bei Lichte besehen stark lupenlastig war?

Keine Sorge, Richter betrachten die Pinselchen mit Freude und – hinsichtlich der Größe – mit unendlichem Wohlwollen, wissen sie doch um das äußerst zögerliche Comeback dieser Reminiszenz an frühe Abessinierzeiten.

In der Beurteilung über anderes, Wesentlicheres, gesetzt, findet man sie nicht, was ja so auch seine Richtigkeit hat. Lobend erwähnt, als Tüpfelchen auf dem i sozusagen, werden sie aber garantiert.

Und die Mitzüchter? Na ja, mancher wird sich mit Ihnen freuen über eine liebenswerte und attraktive Kleinigkeit Ihrer Vierpfotigen, und der andere wird "scheel" schauen, wie das mitunter so ist, wenn ...

Zug abgefahren für die Letzteren? Beileibe nicht! Und damit kommen wir zum Hoffnungsschimmer, der frohen Botschaft gewissermaßen: Sie sind züchterisch leicht zu erlangen und ebenso leicht zu festigen! Selbst aus Rudimentärem lässt sich in ein, zwei Generationen ordentlich sichtbar Pinseliges erlangen. Es reicht, wie ich in allen Verpaarungen der Cellani Abessinier Katzen in Berlin seit 1999 sehen konnte (es sind aktuell 14, wenn einer der Paarungspartner das Merkmal trägt. Schon dann wird annähernd die Hälfte der Tiere „mit“ sein. Sogar im 4er Wurf zweier pinselfreier Eltern, deren Linien nachweislich nur eine einzige entsprechend ausgestattete Großmutter aufweist, wurden zwei mit, zwei ohne tufts geboren.

Bei den Cellani Abessinier Katzen sieht die Statistik seit 1999 / derzeit folgendermaßen aus:

( -- = ohne Pinsel / -+ = ohne Pinsel, aber „Träger“ / ++ = mit Pinseln) 

1.        Jodie of Wonderlove -+ X Clarion’s Montage --: Viola --/ Villanella ++/ Verismo ++

2.        Villanella ++ X Silkkihienon Ad astra -+: Wedadewi ++ / Wedatalai ++

3.        Wedadewi ++ X Saynday’s Charly Python -- : Xenerée -- / Xibati -+ / Xakountala ++ /  

                                                                                       Xothas --

4.        Villanella ++ X Don Dyego di Genetta --: Yatin -- / Yasun-Ra ++ / Yanata ++

5.        Xibati -+ X Don Dyego di Genetta -- : Zannanza -- / Zama -- / Zekente ++ / Zula ++

6.& 7.  Wedadewi ++ X Don Dyego di Genetta --: Sothis -- // Qepri ++ / Ineni ++ / Shesu ++

8.        Wedadewi ++ X Merindalee Didgeridoo --: Calatifé ++ / Djeddah ++ / Etoscha ++ / Faris ++

9.        Etoscha ++ X Apollo v.d.Linderhöhe --: Gabun ++

10.      Calatifé ++ X Ghali des Chevreuils --: Hatifa -- / Impala -- / Jalaija ++ / Kavali --

11.      Calatifé ++ X Gabun ++: Lekinte -- / Lakassa -- / Letossa ++ / Lanathi ++

12.      Etoscha ++ X Stringapurrs Beowulf --: Massai -- / Mandingu -- / Mitanni ++

13.      Kavali - + X Lekinte - + : Negesti - - / Naukoma ++ / Ninivé - - / Nimoti ++

14.      Lanathi ++ X Calvin - -: Oxeena + -

Verabschieden muss man sich, will man sich denn der Wiedereinbürgerung des Luchs-Looks verschreiben, von der in vielen Standards beschriebenen rundlichen Ohrspitzenform. Denn: Je SPITZER das Ohr, umso größer die Wahrscheinlichkeit von Pinseln!

Zu meinem Erstaunen lassen sich offenbar die modernen amerikanischen „Tiefergelegten“ (also jene mit den sehr tief platzierten Ohren, meine ich) problemlos mit Pinseln „aufstocken“, sofern denn das Gespons sichtbar oder im Erbgut solches zu bieten hat. Bester Beweis war bei mir der Kater Xakountala, der vom Papa den tiefen Ohrenstand vererbt bekam, dazu von der Mama die deutlich spitzen Ohrspitzen. Im Unterschied zu ihren mäßige 5mm langen tufts ist dieser Sohn mit annähernd 1cm(!) langen Büscheln ausgestattet. Sieht, will man’s mal neudeutsch pubertistisch formulieren, absolut "abgefahren" aus!

 

Vererbungstechnisch gesehen scheint offenbar die Ohrform der genannten Tiefergelegten sogar aussichtsreicher mit tufts kompatibel zu sein, als es vor Zeiten (damit ist so an die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts gedacht) jene Abessinierohren waren, die in ihrer schmalen, durchaus großen, aber eben doch löffelartigen Form mitunter eher an einen Hasen denken ließen. (Man fand diese Ohrform damals gehäuft in Dänemark und den Niederlanden.)

Lebhaft erinnere ich mich meiner Zula’s Kaneel, die von ihren englischen Vorfahren zwar die spitzen Ohren mit leichten Pinselchen vererbt bekommen hatte, die aber trotzdem Null Komma Null Kinder mit solchen brachte, offenbar in Ermangelung entsprechend passender Ohrformen ihrer Partner.

Anders dagegen Delia de Bassecour! Aus einer holländischen „Spitzohrmutter“ und einem amerikanischen Kater stammend und selbst zu aller Erstaunen mit kleinen Pinseln ausgestattet, gebar sie aus dem pinselfreien Kaneel-Sohn Bakis eine Tochter mit kleinen tufts: Eyjesha. In Eyjeshas späteren Würfen fand sich dann regelmäßig das eine oder andere Tierchen mit den Pinselchen der Mutterlinie.

Ebenfalls von Bedeutung scheint auch die Haardichte auf den Ohrmuscheln zu sein. Je schütterer das Haar dort, umso geringer die Chance auf Pinsel. Auch hier wird der aufmerksame Züchter Widersprüche in Standardformulierungen konstatieren.

Fazit

So selten wie landläufig angenommen, sind die Pinsel nicht. Aber: So schön und erstrebenswert dieses Tüpfelchen auf dem i auch ist, wird doch vermutlich kaum ein Züchter dieses Merkmal zum wichtigsten Auswahlkriterium für seine Zuchttiere machen. Also bleiben (und blieben) sie immer dann auf der Strecke, sofern das solchermaßen wirkungsvoll ausgestattete Tier darüber hinaus nicht an das Kriterium „Zuchtqualität“ heranreicht.

Wenn wir natürlich dieses Kriterium „Zuchtqualität“ weiter fassten, uns mit etwas altmodischer anmutendem Outfit anfreunden könnten, .. hier und da .., vielleicht sogar aufs Neue den Blick öffneten für die „alten“ nordeuropäischen Gene (England /Skandinavien, denn dort sind die Pinselchen häufiger als hierzulande bei unserem nahezu rein amerikanischen Genpool), ja, dann wären sicherlich bald wieder mehr Abessinier ...

„Lynx-alike“!

 

Ingrid Filgraebe - Cellani Abessinier Cattery, Berlin