Ticking / Agouti  Cellani Abessinier

Die Abessinier - eine Agoutikatze reinster Prägung

Was ist eigentlich Ticking / Agouti?  

Auffälligstes Merkmal, das die Abessinier von allen anderen Katzenrassen unterscheidet, ist die charakteristische Färbung ihres Fellkleides. Im Idealfall völlig frei von allen bekannten Zeichnungsmustern (Tigerung, Stromung und Tupfung), ist es dennoch nicht einfarbig. Denn jedes Haar ist von der Haut zur Haarspitze hin in sich gebändert im Wechsel von „Hell-Dunkel-Hell-Dunkel“. Dadurch entsteht ein lebhaft „gestichelter“ und dennoch einheitlich gemusterter Gesamteindruck, dem eines Wildkaninchen, Hasen oder sogar Igel ähnlich.

Seinen Namen erhielt diese besondere Fellmusterung der Abessinier von einem hasengroßen südamerikanischen Nagetier, dem Agouti (auch Aguti). Züchter nennen diese Fellmusterung „Ticking“. Welche Farbtöne sich bei der Bänderung abwechseln, hängt von der Farbe der jeweiligen Abessinier ab. Bei wildfarbenen Tieren ist das Ticking schwarz oder schwarzbraun auf aprikosenfarbenem Grund, bei sorrelfarbenen Abessiniern schokoladenbraun bis rotbraun auf orangerote Grundfarbe, blaue Abessinier zeigen ein schieferblaues Ticking auf warm beigefarbener Grundfarbe und die fawnfarbenen Tiere tragen auf warm rosa-beige getönter Grundfarbe, ein Ticking in hellem Kakaobraun.

Agouti / Ticking findet sich nur im Haar bestimmter Körperbereiche, und zwar am Kopf, über den gesamten Rücken- und Flankenbereich, am Schwanz und an der Außenseite der Beine. Die Haare an der Unterseite des Körpers, an Brust, Bauch und den Innenseiten der Beine sind einheitlich in der Grundfarbe gefärbt. Bei jungen Abessinierkätzchen tritt das Ticking der Haare erst ab der sechsten Woche in Erscheinung, wenn das wollige Babyfell allmählich vom Jugendfell abgelöst wird.

Für „Ticking / Agouti“ sind Abessinier im Normalfall reinerbig.

Dass das Ticking bei der Abessinier in seiner reinsten Prägung sichtbar wird, ist aber nur möglich, da sie zugleich eine Erbanlage für Zeichnungsfreiheit trägt. Es wird heute davon ausgegangen, dass dieses sogenannte „Abessiniertabby“ (= Nicht-Tabby = Zeichnungsfreiheit) auf einer Mutation (sprunghaften Erbänderung) basiert. Züchterische Auslese reduzierte die letzten Reste von Zeichnung auf ein absolutes Minimum. Diese Reste von Zeichnung finden sich einerseits als erwünschte Markierungen im Gesicht in Form eines dunklen Streifens vom äußeren Augenwinkel zum Ohransatz hin und eines von hellem Fell umgebenen dunklen M auf der Stirn, das auch als „Skarabäus-Mal“ bezeichnet wird. Als unerwünschte in Form halten sich Zeichnungsreste neben den zuvor genannten erwünschten hartnäckig in Form leichter Streifen und Schattierungen an der Innenseite der Vorderbeine, manchmal der Knie und als sogenanntes „Halsband“ am Übergang vom Hals zur Brust.

Komplettiert wird das charakteristische Outfit der Abessinier durch kleine hell gefärbte Dreiecke unter den Nasenflügeln, eine zumeist ein wenig heller gefärbte Kinnpartie. Einige Exemplare tragen zudem eine etwas leichter getönte Fellpartie in der Größe eines Daumenabdruckes auf der Ohrrückseite, den sogenannten „Wildfleck“, der ein Überbleibsel aus der Drohmaske der Großkatzen darstellt.

 

Zur Beurteilung von Ticking

In den Standards aller vereinlichen Dachorganisationen, ob FIFé, CFA oder GCCF, erhalten Abessinier und Somalis als die Ticking-Katzen reinster Prägung eine immens hohe Punktzahl für die Spezialität ihres Felles.

Das erschien es mir wert, diesem Thema ein paar Gedanken zu widmen.

Der Gesamteindruck einer Abessinier lebt im Idealfall immer von einem intensiv leuchtenden bei den unverdünnten Farben förmlich glühenden Farbton. In jedem Falle ist seitens der Richter den kräftigsten Farben der Vorzug zu geben, allerdings unter der Voraussetzung, dass die gewünschten Dunkeltönung mit einem exakten Ticking einhergeht.

So kann zwar das Tier mit der dunkelsten Gesamtfärbung auch das beste Ticking zeigen, das muss aber nicht in jedem Falle so sein. Im Gegenteil! Ein besonders kräftiger Farbton kann mitunter gerade dann zustande kommen, wenn die helle Zone unmittelbar unter der dunklen Haarspitze eines jeden Haares sich dieser in der Färbung weitestgehend annähert, womöglich die einzelnen Tickingzonen verwaschene, ineinander übergehende Grenzen aufweisen.

Bevor ich nun das Ticking in seinen Spielarten etwas genauer betrachte, sei zunächst darauf eingegangen, wie Tickinzonen eigentlich landläufig gezählt werden. Denn auch hier geben die Standards zwar eine genaue Zahl der erwünschten Bänderungen jedes Haares an, Richter gehen aber beim Zählen von Tickingzonen nicht einhellig vor. Manchmal wird da eine „korrekte dreifache Bänderung“ konstatiert, bein einem anderen heißt es: „... allergings nur zweifache Bänderung“.

Mit Berücksichtigung der Tatsache, dass das Tickinggen (Agouti) eine schubweise Anordnung von Farbpigmenten im Haarschaft verursacht, wäre es eigentlich konsequent, sämtliche „Schübe“, sprich die einzelnen Farbzonen, zu zählen. – Vor einer Reihe von Jahren wurde es bei einigen Richtern üblich, beim Zählen von Tickingbändern das Unterfell auszuklammern und die anschließende Folge von „dunkel – hell – dunkel“ als „dreifaches Ticking“ zu bezeichnen. Beides hat sich aber so nicht eingebürgert. Üblich ist in Züchterkreisen und auch bei den meisten Richtern, nur noch die dunklen Zonen zu zählen, wie es z.B. auch der CFA-Standard klar angibt, wo es heißt: „ ... (Coat) ... Medium in length but long enough to accomodate two or three dark bands of ticking. …” (Übersertzung: Fell: Mittelllang, aber lang genug, um zwei oder drei dunkle Tickingbänder zu tragen.)

Dieses „zwei oder drei dunkle Tickingbänder“ leitet nun direkt über, sich den Spielarten und hierin Qualitäten von Agouti zuzuwenden.

Betrachtet man das einzelne Haar einer Abessinier, ergibt sich folgendes Bild:

Beispiel 1 

Diese Folge von Bänderung ist bei allen mir bekannten erwachsenen Tieren gleich, sie umfasst die gesamten getickten Fellbereiche.

Beispiel 2 

Manche Tiere tragen im Fell – teils immer, teils in Abhängigkeit vom Fellwechsel und der Jahreszeit – einzelne Haare mit der Bänderung „hell-dunkel-hell-dunkel-hell-dunkel“. Diese Form fand ich niemals an einem Tier rundum.
Wir können also zunächst davon ausgehen, dass bei den Abessiniern Einhelligkeit in der Anzahl der Tickingbänder besteht. Beträchtlich sind aber die Unterschiede sowohl in der Abgrenzung gegeneinander als auch in der Breite der einzelnen Tickingzonen und nicht zuletzt im Farbwert. Und damit komme ich wieder zurück auf die eingangs schon kurz angesprochene Möglichkeit, wie Tickingformen den gesamten Farbeindruck bestimmen.

Beim Betrachten vieler verschiedener fremder Abessinier zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten und wenn ich außerdem meine Jungtierprotokolle zu Rate ziehe, lässt sich folgendes sagen:

•      Die erste Hellzone nächst der Haut (bezeichnet als „Unterfell“) nimmt in der Breite knapp die Hälfte der gesamten Haarlänge ein. Die übrigen Bänderung verteilt sich auf den oberen Rest des Haarschaftes zur Spitze hin.

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Bei den verbleibenden drei Zonen „dunkel-hell-dunkel“ (letztere dieser Zonen die Haarspitze) konnte ich keine ähnlich gelagerte „Breitenregelung“ für das Gros an Tieren feststellen.

Beispiel 3 

Vielmehr war bei jenem Tier die dunkle Haarspitze eher länger, wie Beispiel 3 deutlich machen soll, ...

 

Beispiel 4 

... dafür bei einem anderen die tiefer gelegene Dunkelzone nächst dem Unterfell. wie im Beispiel 4 zu sehen.

Beispiel 5 

Bei einem dritten Tier schließlich formte sich alles zu gleich breiten Abschnitten, wie nebenstehendes Beispiel 5 zeigt.

•    Bei Tieren mit besonders viel Rufismus (Anlagen für Rötung des Felles) im Farbwert ist die Hellzone nächst der Haarspitze zwar abgegrenzt, aber meist nicht so scharf und vor allem in der Farbe oft so dunkel, dass kaum noch ein Farbunterschied zu den Dunkelzonen besteht bei genauerem Hinsehen. Das Ticking ist dann eher sogar mit etwas Betrachtungsabstand zur Katze festzustellen, aber auch dann nicht besonders kontrastreich.

 

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Schlechte Tickingkontraste manifestieren sich besonders am Übergang der ersten Hellzone (Unterfell) zur ersten Dunkelzone.

Beispiel 6 

    

Dieser ist bei den entsprechenden Tieren an der ersten „Grenzstelle“ oft mehr fließend, wie Beispiel 6 verdeutlichen soll. Es sind solche, die in der Regel besonders farbvoll wirken. Oft ist die gesamte Bänderung auch mehr zur Spitze hin angeordnet.

 

 

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Besonders brillant wirkt das Ticking, wenn es weit nach außen, also zur Haarspitze hin, angeordnet ist, vermehrt dann, wenn die Hellzone direkt unter der Haarspitze breiter ist als diese selbst, wie in Bespiel 7 zu sehen ist. Ticking dieser Art wirkt oft ein wenig unruhig, besonderst dann, wenn es sich bei etwas längerem Fell bei Bewegung verschiebt.

Beispiel 7 

    

Ticking dieser Art sieht man schon auf weite Entfernung gut. Insgesamt machen Tiere mit dieser Art Ticking zunächst einen helleren Gesamteindruck, oft ist ihr Unterfell dann aber überraschend dunkler, als ein solch eher helleres Tier erwarten ließ.

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Weniger auf Distanz, sondern erst bei naher Betrachtung deutlich sichtbar wird das Ticking, das mehr nach „innen“ gelagert ist mit breiterer Haarspitze, wie in Beispiel 8 zu sehen.

Beispiel 8 

    

Bei dieser Art ist die Hellzone unter der Spitze deutlich schmaler als die beiden angrenzenden Dunkelzonen, - mit dem Effekt besonders intensiver Gesamtfarbe.

 

Fazit

Zusammenfassend betrachtet sehe ich mein „Ticking-Ideal“ im Beispiel 8. Bei der Zucht mit solchen Tieren wird aber auch schnell der Moment verwaschener Übergänge erreicht. Die züchterisch am schönsten getickten Katzen unter den Cellani Abessinier Katzen in Berlin konnte ich erzielen, wenn auch Tickingformen wie in Beispiel 7 einbezogen wurden.

Insgesamt festigt sich der Tickingkontrast im positiven Sinne mit zunehmendem Alter, d.h. es wird ausgewogener im Verhältnis zwischen Rückenfell und den Körperseiten.

Ingrid Filgraebe - Cellani Abessinier Cattery in Berlin